Schweizer Starparty unter Star-Himmel
von Stefan Dylus

Vier Jahre waren Tanja und ich nicht mehr auf der Starparty. Schlechtes Wetter und der Jahresurlaub verhinderten die Anreise. Mit dem Wetter hatten wir am Gurnigel sehr oft Pech. Aber die Wettervorhersage am Montag, den 25. August 2008, sagte für das Wochenende sehr gutes Wetter voraus. So beschlossen wir die ca. 4stündige Fahrt am Freitag zum Gurnigelpass bei Bern zu machen. Freitagnachmittag nach der Arbeit ging es los. Wir fuhren ohne Pause über Bregenz (Österreich) in die Schweiz. An Zürich und Bern vorbei bis nach Rieggisberg. Dort ging die Passstrasse auf den 1.600m hohen Militärschießplatz los, der durch seine geteerte und plane Fläche ideal für Astronomie ist. Wir erreichten das Gelände in der Spätdämmerung und hatten schon Angst, dass wir nicht mehr reinfahren durften. Aber es war kein Problem, durch den aufgestellten Teleskoppark zu fahren.

Nach der Ankunft mussten wir erst etwas essen. Danach stellte ich meine G11-Montierung auf. Weil Tanja noch etwas lesen wollte, gingen wir schnell eine kleine Runde um den Platz. Jupiter funkelte und die Milchstraße war ein göttlicher Anblick. Eine hohe Anzahl an qualitativen Montierungen und Zubehör sind mir aufgefallen.

Im Gegensatz zu Deutschland, wo mehr Dobsen - Teleskope und Selbstbauten zu sehen sind. Zurück am Auto stellte ich meine neue Errungenschaft auf – einen Pentax-Refraktor. Tanja zog sich ins Womo zurück. Nach ca. 45 Minuten war ich fotobereit. Zum Abschuß wurde NGC 6992 der Zirrusnebel freigegeben. Die ST-4 erledigte den Autoguide. Ich kontrollierte noch die erste Aufnahme – alles perfekt – und schaute mich anschließend ausgiebig auf dem Platz um.
Ach ja, Michael Koch (Astro Elektronik) kam in der Zwischenzeit auch noch aus Deutschland angereist. Im Gespräch mit einem Schweizer Astrokollegen, ist uns beiden sein taubeschlagenes Fotoobjektiv aufgefallen. Ich hatte ihm daraufhin meine übrige Taukappenheizung angeboten, welche er dankend annahm. Innerhalb von 10 Minuten konnte er sein Fotoprojekt weitermachen. Fotografisch gesehen, wurde an vielen Stellen gearbeitet und bis Dämmerungsbeginn durchgemacht.

Ich allerdings habe um 02:45 Uhr aufgegeben. Der frühe Arbeitsbeginn und die lange Anfahrt zeigten ihre Wirkung. Der nächste Tag war warm und sonnig – unsere Markise am Wohnmobil leistete wieder mal gute Dienste.

Ein kräftiges Frühstück gegen 11:00 Uhr machte mich wieder munter. Auf dem Platz übernachteten mit uns gerade mal 5 Parteien. Der Rest war im nahegelegenen Berghaus untergekommen oder war in der näheren Umgebung zu Hause.

Michael hatte am frühen Nachmittag noch einen Termin bei einer nah gelegenen Privatsternwarte um elektronische Teile einzubauen. Da mich das Ganze interessierte und Tanja lesen wollte, bin ich mitgefahren. Die Sternwarte kannte ich schon von 2004, wo wir eine Besichtigung hatten, aber damals war sie noch im Aufbau.


Michael Koch bringt eine Melenium Montierung wieder zum laufen.

Gegen 15:30 Uhr kamen wir zurück und stellten unseren Grill auf. Michael Koch war selbstverständlich, wie immer, eingeladen. Leider wollte die Holzkohle nicht so richtig glühen und nach einer verzweifelten ½ Stunde und etlichen verbrauchten Grillanzündern haben wir unseren alten Gasgrill vorgezogen.


Der Schweitzer Astrofotogrf Manuel Jung beim Aufbau.

Aufgang des Erdschattens den viele nur aus den Tropen her kennen.

Die Sonne neigte sich dem Horizont entgegen und die Hobbyastronomen wurden wieder lebendig. Bei Dämmerungsbeginn war das Gelände wieder fast voll.

Bevor Tanja sich wieder ins Womo zurückzog und las, gingen wir noch eine kleine Runde um den Platz. Meine Taukappenheizungs-Bekanntschaft war auch wieder da. Sicherheitshalber brachte ich ihm die Heizung wieder vorbei. Ich machte mich danach an die Andromedagalaxie ran. Die kurze Brennweite meines Pentax reichte gerade noch um sie noch ganz ins Bildfeld der Canon 350d reinzubekommen.

Die Nachführung übernahm wieder meine fast 15 Jahre alte ST- 4. Die Nacht verbrachte ich mit diskutieren und ab und zu kontrollieren der Ausrüstung. Ach ja, es zogen noch für ca. 20 Minuten ein paar Wolken am Himmel auf, die sich aber nach kräftigem Gemecker und Beschimpfungen aus dem Staub machten.

Ich glaube gegen 4:00 Uhr machte ich mich dann langsam ins Bett. Einige meiner Schweizer Kollegen hielten aber noch tapfer die Stellung. Am nächsten Morgen klopfte es an unsere Tür. Michael Koch verabschiedete sich von uns, er hatte noch eine lange Fahrt vor sich und wollte natürlich früh los. Wir frühstückten zuerst in aller Ruhe unter dem schönen blauen Himmel der Berner Alpen, bevor wir uns auf dem Heimweg ins Allgäu machten.

 

Fotos/Bericht ©2008 Stefan Dylus/GfW