Ringförmige Sonnenfinsternis
03.10.2005 in Spanien


Es war die aufwendigste Astroreise, die ich mit meiner Freundin Tanja bis jetzt unternommen hatte. Aufwendig deswegen, weil wir vor ca. 2 Jahren einen Ford-Transit gekauft und diesen für zukünftige Astroreisen ausgebaut hatten. Das heißt, von der G-11 Montierung bis zum Refraktor hatte alles seinen Platz. Selbstverständlich wurde der Wohn- und Schlafkomfort nicht vernachlässigt. Am 23.09.2005 ging es dann endlich los. Bis zur letzten Stunde wurden noch Lebensmittel verräumt und am Auto gebastelt. Ein Bekannter, ebenfalls Hobby-Astronom begleitete uns mit seinem VW- Bus. Er übernahm den Transport unserer Trinkwasservorräte und einer Kühlbox. Anschließend verließen wir das schöne Allgäu mit seinem Bergpanorama und fuhren problemlos durch die Schweiz, Frankreich nach Spanien. Nach der langen Fahrt erholten wir uns erst einmal zwei Tage auf einem Campingplatz kurz nach Valencia.
Da uns die Gegend dort nicht so gut gefiel, fuhren wir weiter Richtung Javea. Dort war es super schön und wir erkundeten die Gegend nach einem geeigneten Sofi-Platz. Den haben wir in Calpe dann auch gefunden, dieser Aussichtspunkt konnte einen atemberaubenden Panoramablick aufweisen.

Werner bei der Sonnenbeobachtung
Nach 3 Tagen Rückkehr zum Campingplatz in Javea, dort lernten wir Moritz kennen, der immer Hunger hatte und extrem spielbegeistert war. Werner, sein Herrchen, war ebenfalls zwecks der Sofi angereist. Das Kartenmaterial von Werner Celnik war erstaunlich. Er hatte sich einen anderen Beobachtungsplatz ausgesucht.
Die letzte Nacht vor der Finsternis rückte näher und auch die Entscheidung an welchem Berg das Spektakel beobachtet werden sollte. Am Sonntag den 02.10. haben wir den Campingplatz dann wieder verlassen und wollten unseren Beobachtungsplatz aufsuchen. Doch welcher Platz war nun am besten, denn an diesem Tag war der Himmel durchgehend bedeckt und einen innere Unruhe bereitete sich bei uns allen aus.

Blick vom Penon de Ifach auf Calpe
Die Erfahrung der letzten 5 Tage sagte uns aber, dass an unserem Beobachtungsplatz ca. 15 Km von Werner´s entfernt, das Wetter beständiger gewesen war. Nach längerem Überlegen beschlossen wir dann, unseren alten Finsternisplatz nochmals genau unter die Lupe zu nehmen. Kaum angekommen, zeigte sich auch schon die Sonne am Himmel.
Dies machte uns die Entscheidung natürlich einfach und der Aufbau der Teleskope begann.
Verwendet wurden: ein Vixen VC200L (200mm Öffnung und 1800mm Brennweite) und ein Sky-Watcher ED 80 auf einer G-11 Montierung plus einer FS-2 Steuerung, dazu ein Refraktor von Vixen 80M (80mm Öffnung 910mm Brennweite) mit einer Super-Polaris-Montierung und ebenfalls einer FS-2 Steuerung, sowie von unseren Bekannten ein C-8 auf einer GP-Montierung mit Skysensor 2000.
Alles wurde genauestens justiert und eingescheinert. Zwei hochwertige Feldstecher wurden ebenfalls für die Beobachtung vorbereitet. Gegen 01:30 Uhr gingen wir dann endlich zu Bett. Das draußen stehende Equipment bereitete uns allerdings einen unruhigen Schlaf, denn man wusste ja nie, was nachts alles draußen passierte. Denn am Nachmittag wurde ca. 50 Meter entfernt ein Auto aufgebrochen. Vor Sonnenaufgang wurde dann nochmals alles kontrolliert. Die aufgehende Sonne überraschte uns gleich mit dem grünen Blitz. Das Wetter war perfekt, zumindest an unserem Beobachtungsplatz.

Die Sonnensichel durch den C8-Sonnenfilter
Auf dem Berg wo sich Werner befand, sahen wir dicke Wolken und nur ab und zu ein paar Sonnenstrahlen durchziehen. Mittlerweile hatten sich auch noch ein paar andere Interessierte aus Finnland, England, Belgien etc. eingefunden. Der erste Kontakt begann und von Minute zu Minute verschwand immer mehr von der Sonne.
Es entstand eine dämmrige Atmosphäre. Die Hörnchen der Sonne gingen immer mehr aufeinander zu und dann kam die lang ersehnte Berührung beider Spitzen. Der Ring war geschlossen und wuchs asymmetrisch immer mehr zu einem gleichmäßigen Ring zusammen. Sekunden später wurde der Ring oben wieder dicker und unten dünner, bis ein Riss entstand und die beiden Spitzen sich wieder voneinander entfernten.

Hektik vor dem 3. Kontakt
Später klingelte mein Handy, Werner war am anderen Ende und berichtete, dass auch er Glück gehabt hatte. Die Erleichterung stand allen ins Gesicht geschrieben. Der vierte Kontakt beendete das große Spektakel und wir verstauten unsere Ausrüstung wieder in unsere Autos. Erstaunlich war auch, dass einige neugierige Besucher gar nicht wussten, das gerade einen Sonnenfinsternis stattfand.
In dieser Woche verbrachten wir nochmals drei Tage auf dem Campingplatz in Javea, denn es gab abends beim gemütlichen Beisammensein viel über die Sonnenfinsternis und andere astronomische Objekte zu erzählen.

Astronomieverein AAMA auf dem Markt in Denia
An einem Tag machten wir auch noch einen gemeinsamen Ausflug ins Hinterland. Dort waren die Straßen so eng, dass wir gerade so mit unserem Wohnmobil hindurchpassten. Die weitere Urlaubswoche verbrachten wir noch mit Ausflügen und entspannenden Badenachmittagen am Mittelmeer. Leider nahte die Rückreise und wir mussten den 1768 Km langen Heimweg antreten.
Fotos ©2006 Stefan Dylus/GfW