Reisebericht Namibia
Oktober 2003

Am 06.10.2003 ging es endlich los - der lang ersehnte dreiwöchige Urlaub in Namibia. Die erste Urlaubswoche hatten wir im Vorfeld schon geplant, denn diese wollten wir im Etosha-Nationalpark mit unseren GfW-Mitgliedern Franz-Josef und Ruth Gilles verbringen. Der Flug von München nach Windhoek verspätete sich um zwei Stunden, verlief aber recht ruhig. Unsere Unterkunft hatten wir bei Sonja Itting-Enke, die eine begeisterte Astronomin mit eigener Sternwarte ist. Am Mittwoch ging es dann los. Den bestellten Leihwagen bei Sixt abholen, welcher dann irrtümlicherweise am Flughafen stand und nicht in Windhoek direkt. Gepäck einladen, tanken und los ging es. An diesem Tag fuhren wir mit Franz-Josef und Ruth nur bis zum Waterberg. Am Waterberg angekommen, hatte Franz-Josef leider schon den ersten Platten, konnte diesen aber an der dortigen Tankstelle richten lassen. Als Unterkunftsmöglichkeit hatten Martin (ein Astrofreund), Tanja und ich zwei Zelte dabei, Franz-Josef und Ruth waren in ihrem komfortablen VW-Bus untergebracht. Franz-Josef hatte diesen fertig ausgebaut in Deutschland gekauft und nach Walvis Bay verschifft, somit sind sie immer mobil, da sie meistens mehrere Monate in Namibia verbringen.


Der Hoba-Meteorit besteht zu 82% aus Eisen.

Nach einem reichlichen Frühstück und der Montage des reparierten Reifens, fuhren wir weiter Richtung Grootfontein. Vor Grootfontein machten wir noch einen Abstecher zum größten gefundenen Eisenmeteoriten, dem "Hoba-Meteoriten", welcher ca. 60 Tonnen schwer ist.

Anschließend sind wir in den Etosha-Nationalpark hineingefahren. Dort zeigten sich uns schon nach 5 Minuten die ersten Giraffen, welche gleich ausgiebig fotografiert wurden. Weiter ging es dann in das erste Camp - Namutoni, welches unser Rastlager für die erste Nacht sein sollte. Auf dem Campingplatz angekommen bauten wir gleich die Zelte auf - wo uns Warzenschweine besuchten - und aßen anschließend gleich zu Abend, damit wir bald zum Wasserloch kamen. Die Wasserstelle war von den Zebras recht gut besucht, außerdem sahen wir noch Schakale, Springböcke und spät nachts kamen auch noch zwei Giraffen. Die ganze Nacht besuchte uns zudem ein junger Schakal, der zwischen den vielen Zelten die Grillstellen nach guten Sachen absuchte. Kurz vor Sonnenaufgang haben wir uns dann ganz schnell angezogen, da wir eine kleine Rundfahrt machen wollten, denn in den frühen Morgenstunden sieht man viele Tiere. Auf dieser Tour sah man wieder die üblichen Tiere wie Giraffen, Zebras, Gnus, Springböcke, Kudus, Oryxantilopen und zu guter Letzt eine flüchtende Hyäne, die von einem Warzenschwein verfolgt wurde. Die Hyäne ließ sich aber nur kurz verscheuchen, bis sie wieder zu ihrem Morgenfrühstück - einem frischen Riß - zurückkehrte. Wir hatten dann allmählich auch Hunger und fuhren zum Camp zurück um ebenfalls zu frühstücken. Anschließend bauten wir alles ganz schnell ab, da wir weiter nach Halali, dem zweiten Camp wollten. Siehe da, unter Martin´s Zelt fand es ein Skorpion recht gemütlich. Nachdem wir ihn aber beim Abbau des Zeltes störten, flüchtete er ganz schnell.

Nach der Ankunft in Halali bauten wir die Zelte wieder auf. Franz-Josef baute von seinem VW-Bus das Hochdach ab, so daß wir die nächsten Tage alle zusammen in seinem Auto fahren konnten bzw. oben sitzen und rausschauen konnten. Am Abend fuhren wir noch einen Game-Drive namens Eland-Drive. Statt Eland-Antilopen war diese Tour wirklich elendig.

VW-Bus mit abmontiertem Dach

Außer drei Giraffen, die Wegezoll verlangten, einer Antilope (nicht mal eine Eland) die trotz Zurufen´s von Ruth "nicht weglaufen, wir haben bezahlt" doch eher das Weite suchte, und eine weit entfernte Herde Elefanten - versteckt in den Büschen, haben wir auf der 2-stündigen Fahrt nichts außer trockenes Gestrüpp gesehen. Später sind wir dann noch zu Fuß an die Wasserstelle beim Camp. Dort ließ sich aber auch nur evtl. ein Löwe blicken, so genau konnte man das nicht sehen, und drei Nashörner, die sich einander verfolgten. Wir ließen uns aber nicht entmutigen und fuhren am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang gleich aus dem Camp zur Wasserstelle Goas. Als wir um ca. 7:30 Uhr ankamen, war schon reger Betrieb. Ich glaube dort war mehr los, als am Münchner Hauptbahnhof. Ein paar Zebraherden mit ca. 40 Tieren waren dort um zu Trinken, und hinter unserem Auto warteten schon die nächsten Herden. Ebenso standen die Springböcke und Kudu´s Schlange, ein regelrechter Stau. Die Oryxantilopen, Schwarzgesichtimpalas und einige andere kümmerten sich nicht darum und gingen gleich zum kostbaren Naß. Später kamen noch Warzenschweine und sieben Giraffen auf einmal. Also es war echt was los.

Nachdem wir 2 Stunden das rege Treiben beobachtet hatten, kamen plötzlich aus dem Busch, mit lautlosen Schritten die ersten Elefanten. Die Herde war recht groß und hatte auch einige Jungtiere mit ganz Kleinen dabei. Wirklich ein atemberaubender Anblick.

Elefantenherde an der Wasserstelle im Camp Halali

Wir mußten aber bald aufbrechen, denn die Sonne schien so heiß vom Himmel, daß wir es nicht mehr aushielten. An der Wasserstelle am Camp ließen sich nachmittags noch ein paar Elefanten blicken, die auch wieder recht viele Kleine dabei hatten. Abends fuhren wir dann noch den Rhino-Drive. Ein Nashorn haben wir aber nicht gesehen, evtl. eines erahnt. Danach sind wir noch zur Wasserstelle Rietfontein. Alles Augenmerk richtete sich auf die Zebras, Geier usw. Bis ich links vom Auto etwas bemerkte. Dort war eine kleine Steinruine und was bewegte sich da? Eine einzelne Löwin mit zwei Jungen, die noch schön gepunktet waren. Leider drängte die Zeit und wir mußten zum Camp zurückfahren. Am nächsten Morgen machten wir uns zeitig zur Wasserstelle Rietfontein auf, denn wo eine Löwin war, mußten noch mehr sein. Und tatsächlich. Links vom Auto lagen vier Löwen und sonnten sich. Der Rest mit dem stattlichen Herrn lag im Gras bei der Wasserstelle. Das Löwenrudel bestand aus mehreren Generationen. Da die Zebras aber recht nah an das Wasserloch herankamen, mußten die Löwen wohl schon gefressen haben. Bald waren aber nicht mehr die Löwen die Hauptattraktion, sondern wir. Franz-Josef´s VW-Bus ist nicht mehr angesprungen. Tja, da mußten eben alle aussteigen und schieben. Nach dieser Anstrengung blieben wir noch eine gute Stunde im Bus sitzen und beobachteten weiterhin die Vielzahl an Tieren. Anschließend mußten wir wieder ran und den VW-Bus schieben. Diesmal war es aber schwieriger, da er nicht gleich ansprang. Die Löwen schauten uns interessiert zu - die anderen Touristen waren eher schockiert und dachten wir wären gleich das Mittagessen. Schließlich schafften wir es aber doch noch mit viel Gelächter und Kraftanstrengung den VW-Bus so anzuschieben, daß er auch ansprang.


Frühstück an einem Rastplatz

Ich denke unser Frühstück hatten wir uns redlich verdient. Auf Game-Tour sind wir an diesem Tag nicht mehr gefahren, denn wir hatten mal wieder über 40 Grad im Schatten und saßen wie ermattete Fliegen auf den Campingstühlen. Abends sind wir dann wieder voller Tatendrang und Hoffnung an die Wasserstelle. Zuerst war ein langweiliges Nashorn da, dies verzog sich aber als zwei Elefanten kamen. In der Ferne hörte man das Gewieher eines Zebras und auf einmal rasten ein paar Zebras an der Wasserstelle vorbei, verfolgt von einem ganzen Hyänenrudel. Die Zebras verschwanden in der Dunkelheit und entkamen, denn die Hyänen kamen zurück an die Wasserstelle um zu trinken. Nach diesem Spektakel waren die Elefanten natürlich verschwunden. Sie hatten auch gleich lieber die Flucht ergriffen. Als die Hyänen weg waren, wurde es auf einmal ganz still. In diese Stille hinein schlich sich ein Leopard. Er sah wundervoll aus und spiegelte sich im Wasser. Am nächsten Morgen mußten wir unsere Zelte leider wieder abbrechen, da wir an dem Tag aus dem Park wieder herausfahren mußten. Auf dem Weg nach Okaukuejo haben wir noch ein paar Wasserstellen abgeklappert. Unterwegs sahen wir dann noch drei Löwen direkt am Straßenrand liegen und später nochmals eine ganze Herde Elefanten, die auf ein Wasserloch zustrebten. In Okaukuejo mußten wir uns dann erst mal wieder etwas Flüssignahrung kaufen, denn durstig waren wir immer. Von dort aus fuhren wir dann noch weiter Richtung Norden. Dort war eher die Savannengegend und es bestand die Aussicht Geparden zu sehen. Leider waren die aber nicht ansprechbar, denn es ließ sich kein einziger blicken. Dafür sahen wir einen Geier auf einem Baum sitzen, zwei Löwen, etliche Gnus usw.


Springbockherde im Schatten eines Baumes
Eine Springbockherde belagerte die Straße, so daß man querfeldein einen Umweg machen mußte. Zudem waren da noch ein paar Erdhörnchen, die es ganz lustig fanden, unter dem Auto zu sitzen, so daß man nicht mehr weiterfahren konnte.

Anschließend traten wir den Rückweg an und fuhren aus dem Park hinaus, zu einem nahegelegenen Campingplatz. Am nächsten Morgen stand die Rückfahrt nach Windhoek an. Auf dem Heimweg machten wir noch einen Abstecher zu den Dinosaurierspuren. Bei einigen Spuren brauchte man wirklich Fantasie um diese als Saurierspuren zu erkennen. Aber zum Glück waren sie weiß umrundet, nicht daß man eine verfehlte.

Bei Sonja in Windhoek angekommen, hatten wir eine Dusche und frische Kleidung dringend notwendig. Jetzt war auch der Mond günstig, um Astrofotos zu machen. Schließlich stand ein C-14 und ein 7-Zoll-Refraktor zur Verfügung. Außerdem hatte ich noch eine G-11 Montierung und ein VC 200 L aus Deutschland mitgebracht. Am Mittwoch haben wir dann erst einmal ausgespannt.

Sonja Itting am 7-Zoll Refraktor

Die Entspannung war aber bald vorbei, da plötzlich dunkle Rauchwolken über dem Hügel hochzogen. Als wir eine Runde mit dem Auto fuhren, sahen wir, daß es ein riesiger Buschbrand war, der von Windhoek her den Hügel heraufkam. Der Wind stand aber so, daß er nicht auf das Haus zutrieb. Beim Abendessen ist dann jedoch der Strom kurz ausgefallen und als wir hinausschauten, sahen wir, daß der Wind sich wohl doch gedreht hatte. So weit waren die Flammen gar nicht mehr entfernt. Der Wohnwagen wurde etwas zum Haus geschoben, die Gartenschläuche festgemacht - wir waren gewappnet, so lange nicht wieder der Strom ausfiel. Die Feuerwehr war aber auch schon am Werk. Es wurden Gegenfeuer gelegt und kleine Brandherde ausgepatscht. Und irgendwann war das Schauspiel vorbei.
Die folgenden Tage verbrachte Martin bei Franz-Josef und Ruth auf deren Farm, wo sie eine kleine Hütte haben, und wir in der Sternwarte bei Sonja. Nach diesen Tagen der Erholung mieteten wir uns bei Sixt nochmals ein Auto und fuhren ein paar Tage weg.
Von Windhoek aus fuhren wir zu einem Campingplatz kurz vor Swakopmund, so daß wir den feuchten Nebel vom Atlantik nicht abbekamen. Am kommenden Morgen sahen wir uns dann die Flamingos und Pelikane in Walvis Bay an. In Swakopmund haben wir uns dann ein Permit für den Namib-Naukluft-Park gekauft. Am Vogelfederberg vorbei (Felsformation) - wirklich sehenswert - sind wir dann nach Homeb gefahren. Homeb ist als Campingplatz eingetragen und dies wollten wir zum Übernachten nutzen. Na ja, ich glaube in Mirabib wären wir besser aufgehoben gewesen.

 
Nein - Franz kocht kein Erdhörnchen-Ragout am offenen Feuer.
Aber das kleine Erdhörnchen würde gerne ein Brocken abbekommen.

Homeb liegt direkt am Kuiseb. Als wir nach Homeb einbogen, überkam uns schon eine vage Vorahnung. Zuerst grüßten uns ein paar sehr freundliche schwarze Hirten, dann kam die Abzweigung und das Schild mit der Aufschrift "Camping". Tja und dann war der Campingplatz direkt unter Bäumen im grünen Busch vom Kuiseb. Voller Schafe, Ziegen und Kühe und natürlich deren Hinterlassenschaften. Die Kühe fanden auch die Inhalte der Mülltonnen sehr lecker, so daß die Köpfe immer wieder darin verschwanden. Jede Plastiktüte wurde ausgeluscht, und die Steintische- und Stühle wurde ebenso fleißig abgeleckt. Ansonsten gab es noch ein etwas entferntes Plumpsklo, eine Grillstelle, Millionen von Fliegen und keinen Tropfen Wasser. Dies war der ganze tolle Campingplatz. Ich wollte die Fliegen erst einmal etwas dezimieren und erwischte gleich Zwölfe auf einen Streich. Rekord! Leider waren gleich wieder 20 zur Beerdigung gekommen. Am nächsten Morgen wollten wir nur noch weg. Im Laufe des Vormittages machten wir uns dann auf den Rückweg nach Windhoek.
Die Rückfahrt war sehr schön. Sie führte durch den Namib-Naukluft-Park. Der Kuiseb-Canyon ist schon beeindruckend, auch die verschiedenen Paßstraßen sowie der Anblick des Gamsberges.


Kameldornbaum mit Sternbild Skorpion

Dort machten wir noch einen Abstecher zur Astro-Farm Hakos. Anschließend ging die Fahrt weiter durch ein sehr schönes landschaftliches Gebiet Richtung Windhoek. Die restlichen Tage bis Montag verbrachten wir recht ruhig und erholten uns etwas vom letzten Ausflug.

Am Dienstag war dann der Rückflug nach Deutschland. Abends um 19:30 Uhr kamen wir bei nur 3 Grad in München an. Deutschland hatte uns wieder eingeholt.

Diese drei Wochen werden uns aber noch lange in Erinnerung bleiben.

Bericht 2003 Tanja Schorer & Stefan Dylus/GfW

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